Rundgang „.... ab durch die Mitte, aber barrierefrei!“
Die MitarbeiterInnen von mobidat, einem Projekt von Albatros - Barrierefrei Leben gGmbh, die Mitglieder des Behindertenbeirates und die Behindertenbeauftragte des Bezirkes Mitte, Frau Hildrun Knuth, hatten am 26.05.2010 zu einem Rundgang vom Gendarmenmarkt zum S- und U-Bahnhof Friedrichstraße eingeladen.
Wir wollten erleben, wie attraktiv und barrierefrei diese viel besuchte Route für AnwohnerInnen und Berlin-BesucherInnen ist, welche Angebote und Info-Systeme für Menschen mit Behinderung ausgewiesen sind, bzw. welche Barrieren auf dieser Strecke und in den Kultureinrichtungen vorhanden sind.
Auf dem Rundgang waren dabei:
- Der Bezirksbürgermeister Dr. Christian Hanke (Leiter der Abteilung Gesundheit Bezirk Berlin-Mitte)
- Frau Hildrun Knuth (Beauftragte für Menschen mit Behinderung Berlin-Mitte)
- Herr Grenner (Büro des Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderung Berlin)
- Herr Andreas Hein (Behindertenbeirat Mitte)
- Frau Gabriela Stoessel (Frauenbeirat Stadtplanung)
- Frau Marina Simon (Ordnungsamt Mitte)
- Frau Signe Stein (Bezirksverordnete Bündnis 90 die Grünen und Vorsitzende des Gesundheitsausschusses BVV Mitte)
- Herr Fred Kutzner (Behindertenbeirat Mitte, Rollstuhlfahrer)
- Herr Sanftleben (Beirat Mitte, sehbehindert)
- Herr Klinger (Behindertenbeirat und Seniorenvertretung, Rollstuhlfahrer)
- Frau Uschka Thierfelder (Frauenbeirat Stadtplanung Berlin-Mitte)
- Claudia Dahlitz (mobidat-Bezirksleitung Team Mitte)
- Mohamed Abou–Bakr (Datenerheber mobidat für Berlin-Mitte)
- Heiko Bänsch (Datenerheber mobidat für Berlin-Mitte)
- Robert Hitzmann (Assistenz Bezirksleitung mobidat Team Mitte)
- Stefan Schulz (Öffentlichkeitsarbeit / Redaktion mobidat)
Wir von der Redaktion haben uns dazu entschieden, den Verlauf mit einer Fotostrecke zu dokumentieren, um Anregungen und Kritik bildlich darzulegen.
Sämtliche Fotos auf dieser Seite sind mit einem Klick auf das Bild vergrößerbar.
Start: Das Schokoladen-Café Fassbender und Rausch
Den Anfang des Rundganges machte das Schokoladen-Café Fassbender und Rausch am Gendarmenmarkt. Das Geschäft ist barrierefrei zugänglich.
Der Eingang zu Fassbender und Rausch bietet genügend Platz für Menschen mit Beeinträchtigungen. Zum Café im 1.OG gelangt man mit einem Aufzug, ein behindertengerechtes WC ist vorhanden.
Deutscher Dom
Danach ging es zum Deutschen Dom. Er ist schön anzuschauen, der Eingang aber garantiert nicht barrierefrei.
Es gibt einen Zugang für Rollstuhlfahrer, allerdings ist die Beschilderung der Informationssysteme äußerst schlecht. Hier ein Beispiel. Für Blinde fehlt eine Informationstafel in Braille-Schrift. Zu dem ist das Schutzglas im Laufe der Zeit sehr milchig geworden und sollte einmal ausgewechselt werden. Wer schlecht sieht, den beeinträchtigt dies noch mehr.
Das Piktogramm für den Zugang für Rollstuhlfahrer ist etwas sehr klein geraten. Hier herrscht Handlungsbedarf.
Kurze Zwischenbesprechung auf dem Rundgang mit der Beauftragten für Menschen mit Behinderung von Berlin-Mitte, Frau Hildrun Knuth und dem Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Herrn Dr. Christian Hanke. (Im Bild mittig)
Weiter ging es zur Französischen Friedrichstadtkirche am Französischen Dom. Hier standen wir vor einigen Hürden...
Friedrichstadtkirche am Französischen Dom
Es ist keine ausreichende Beschilderung zum barrierefreien Zugang vorhanden. Um als Rollstuhlfahrer in den Dom zu gelangen, gibt es am Seiteneingang einen Aufzug. Es weist aber kein Schild darauf hin.
Nach dem der Aufzug gefunden wurde, stehen wir vor einer verschlossenen Tür. Durch die Tür sehen wir, dass der Zugang mit einem Zahlencode gesichert ist. Wieder gibt es keine Hinweisschilder, wann der Aufzug nutzbar und wer dafür zuständig ist.
Durch einen Zufall benutzte gerade ein Lieferant den Aufzug. Herr Fred Kutzner, Behindertenbeirat Mitte, "schmuggelte" sich einmal durch, um den Aufzug auszuprobieren. Wie Sie auf dem Bild sehen, passt der Rollstuhl nur knapp hinein. Falls eine Begleitperson von Nöten ist, wird es sehr eng.
Auf dem Weg zum Haus Mendelsohn bewältigten wir einige Hürden. Diese Baustelle zum Beispiel steht genau an einem abgesenkten Bordstein.
Endstation Baustelle: Herr Klinger (Behindertenbeirat und Seniorenvertretung) musste gar aufstehen, um seinen Rollstuhl auf die Straße zu bringen. An der Friedrichswerderschen Kirche erwartet uns dann die nächste Überraschung...
An der Friedrichswerderschen Kirche
An der Friedrichswerderschen Kirche angekommen: Ein LKW mit Laderampe versperrt uns den Weg zum Zugang der Rampe, die zum Eingang der Kirche führt.
Aber damit nicht genug. Haben wir die Hürde LKW und Rampe genommen, stehen wir vor einer verschlossenen Flügeltür.
Trotz Bitten konnte man die beidseitige Flügeltür nicht öffnen, Herr Kutzner musste leider "draußen bleiben". Die Vertröstung, der Lieferant mit dem Hubwagen hat es ja auch schwer, war sehr unbefriedigend.
Auf dem Weg zur St. Hedwigs-Kathedrale
So ging es dann im Rundgang weiter, auf dem Weg zur St. Hedwigs-Kathedrale.
Falls ein Rollstuhlfahrer unterwegs mal "möchte", kann er mit dem Hinweisschild eine behindertengerechte Toilette finden. Wenn er die Stufe hinaufkommt...
Auf diesem Bild erkennt man besser, wie lang sich die Stufe hinzieht. Schafft er die Stufe nicht, bleibt nur der lange Weg zurück zur Straße bis zum abgesenkten Bordstein.
Letzte Etappe: Zum S-Bahnhof Friedrichstraße
Der Weg zum S-Bahnhof Friedrichstraße führt uns auch an der Humboldt - Universität vorbei.
Hier sind Rampe und ein bedingt rollstuhlgeeigneter Aufzug vorhanden.
Den Abschluss des Rundganges machte das Kulturkaufhaus Dussmann.
Die Aktion Berlin barrierefrei wurde am 1. September 2004 mit der Verleihung des ersten Signets an das KulturKaufhaus Dussmann in der Friedrichstraße von der Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, Frau Dr. Heidi Knake-Werner gestartet.
Hier gab es noch eine Abschlussbesprechung mit den Teilnehmenden.
Fazit
Es gab auf dem gesamten Rundgang kaum Info-Systeme, keine in Brailleschrift. Hinweisschilder für Menschen mit Behinderungen waren kaum vorhanden, so dass häufig Umwege nötig waren.
Die Baustellen und die Praktikabilität von Rampen, Zugängen und Aufzügen sind fraglich, zum Teil gefährlich.
Der Rundgang in Berlin-Mitte ist mittlerweile traditionell geworden, er findet jedes Jahr statt.
Auch der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Herr Dr. Christian Hanke, ist immer sehr interessiert und bei den Rundgängen vor Ort.
Mobidat hat den Rundgang ausgearbeitet und die Info-Materialien bereitgestellt.
Wir bedanken uns bei allen Teilnehmern, dass Sie die Zeit für diesen Rundgang gefunden haben.
Artikel und Fotos:
Stefan Schulz, mobidat (2.06.2010) mit freundlicher Unterstützung der Beauftragten für Menschen mit Behinderung von Berlin-Mitte, Frau Hildrun Knuth.

















