Was bedeutet das?

Foto zeigt kurioses Wegende im Park
Kurioses Wegende im Park (Bildquelle: Volker Schwarz)

Das Wort "behindert" trifft auf jeden zu, der in irgendeiner Weise in seiner Handlungsfreiheit eingeschränkt ist. Zu dieser Personengruppe gehören natürlich nicht nur Menschen mit solchen Behinderungen, die allgemein als Solche wahrgenommen werden. Auch schwangere Frauen, übergewichtige, kleinwüchsige und großwüchsige Personen, Kinder und Senioren zählen dazu.

Zu diesem Kreis auch Menschen, die aufgrund von Unfällen oder Operationen beeinträchtigt wurden und dadurch in ihren Handlungsmöglichkeiten kurz- oder langfristig eingeschränkt sind. Begleitpersonen von Menschen mit Behinderung benötigen ebenso Barrierefreiheit. So sind auch Eltern mit Kinderwagen stark eingeschränkt, genau wie Reisende mit schwerem Gepäck.

Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, Lösungen und Hilfestellungen für alle diese Gruppen von unterschiedlichen Menschen zu schaffen. Am Anfang des Jahres 2004 gab es 6,7 Millionen registrierte schwer behinderte Menschen in Deutschland. Interessant ist, dass die Hälfte aller Personen mit Handicap über 65 Jahre alt sind. Ebenso beachtenswert ist, dass der Anteil der Älteren in der Zukunft stark zunehmen wird. Laut Hochrechnung wird erwartet, dass bald ein Drittel aller Deutschen über 60 Jahre alt sein wird. Dies ist somit ein Ansatz für barrierefreien Tourismus, und der wird zukünftig immer mehr gefragt sein.

Barrierefreier Tourismus = Tourismus für Alle

Die Idee eines Tourismus für Alle besteht darin, dass jede Person in der Lage sein sollte zu einem Land seiner Wahl zu reisen, sowie innerhalb eines Landes alle Sehenswürdigkeiten und Veranstaltungen zu besuchen, die sie möchte. Damit wird der Wunsch der Integration aller Gesellschaftsgruppen in den Tourismus ausgedrückt.

Ein barrierefreier Tourismus bedeutet, dass touristische Angebote und deren gesamte Servicekette von Menschen mit verschiedensten Behinderungen und daraus resultierenden Mobilitätseinschränkungen, aber auch älteren Personen, Familien und Menschen mit vorübergehenden Unfallfolgen, möglichst ohne fremde Hilfe genutzt werden können. Diese Angebote steigern somit für alle Menschen den Komfort beim Reisen, von der Informationsbeschaffung über die Auswahl des Reiseziels bis zur Nutzung der touristischen Angebote vor Ort.

 

Problemstellung

Foto zeigt von links nach rechts Gesichter eines kleinen Mädchens, einer Frau und einer Oma
Bildquelle: Innovationsreport

"Zukünftig wird es nicht darauf ankommen, dass wir überall hinfahren können, sondern ob es sich lohnt, dort anzukommen."
Hermann Hesse

Dieses Zitat hat gerade für Menschen mit Behinderungen einen wichtigen Hintergrund.

Obwohl die Entwicklungen im Tourismus im letzten Jahrhundert rasant voranschritten, ist die selbstbestimmte Teilnahme aller Menschen am Tourismus immer noch nicht ausnahmslos möglich und durch vielfältige Barrieren versperrt. Dabei stellt die Zielgruppe, zu der auch Menschen mit vorübergehenden Mobilitätsbeeinträch-tigungen, ältere Menschen - aber auch kleine Kinder - gehören, ein nicht zu unterschätzendes Marktpotenzial dar.

Aufgrund unzureichender Angebote in vielen touristischen Zielgebieten in Deutschland, sowie fehlender Bereitstellung von spezifischen Hilfestellungen seitens der Tourismusanbieter, verzichtet ein Großteil der betroffenen Bevölkerungsgruppe auf einen Urlaub. Die Potenziale in diesem Marktsegment sind demzufolge nach wie vor bei weitem nicht ausgeschöpft, und touristische Anbieter und Reiseregionen, sowie mobilitätseingeschränkte Reisende können vom Ausbau dieses Marktsegmentes nur profitieren.

Anfang der 90er Jahre rückten bei den Vereinten Nationen die Themen Chancengleichheit von Behinderten und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben verstärkt in den Vordergrund. Die Akzeptanz gegenüber "Menschen die anders sind", hat in der heutigen Gesellschaft spürbare Fortschritte gemacht. Nicht nur durch die gesetzlichen Bestimmungen der letzten Jahre versuchen die europäischen Staaten die Bevölkerung für diese Themen zu sensibilisieren, auch die Arbeit der Behindertenorganisationen und Interessenverbände ist richtungsweisend auf dem Weg zu einer Antidiskriminierung benachteiligter Gruppen.

Demographische Entwicklungen in Deutschland

Tabelle des Statistischen Bundesamts 2003
Tabelle: Statistisches Bundesamt 2003, Bevölkerung in Deutschland bis 2050 koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung

Laut Statistischem Bundesamt lebten in Deutschland am Ende des Jahres 2004 rund 82,5 Millionen Menschen. Der Anteil der älteren Menschen hat sich dabei wegen des andauernden Geburtenrückgangs und der gestiegenen Lebenserwartung in Deutschland stetig erhöht. Wie aus der nachfolgenden Tabelle hervorgeht, stieg der Anteil der mindestens 60-jährigen innerhalb von 50 Jahren (von 1950 bis 2001) um fast 10 Prozentpunkte an. Die Werte ab dem Jahr 2010 stellen Schätzwerte der koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung dar.

Nach Prognosen des Statistischen Bundesamtes wird im Jahr 2050 die Hälfte der Bevölkerung älter als 48 Jahre und mehr als ein Drittel der Einwohner über 60 Jahre alt sein. Das entspricht einer Anzahl von 28 Millionen Menschen, die mindestens 60 Jahre alt sein werden und 9,1 Millionen im Alter über 80 Jahre (2001: 3,3 Millionen Menschen über 80 Jahre).

"Die demographische Entwicklung begünstigt Überlegungen
zum barrierefreien Tourismus.
"

 

Rechtslage

Das verfassungsrechtliche Diskriminierungsverbot ist in Deutschland im Grundgesetz verankert. Im Rahmen der Grundgesetzänderung im Jahr 1994 wurde der Artikel 3, Absatz 3 um folgenden Satz ergänzt: "Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden."

Mit der Konsolidierung im Grundgesetz wurde das Benachteiligungsverbot zu geltendem Recht in Deutschland (Grundgesetz 2001, S.6-7). Ein weiterer Meilenstein in der Behindertenpolitik wurde mit dem Inkrafttreten des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG) am 1. Mai 2002 gelegt. Mit diesem Gesetz soll eine möglichst gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sichergestellt und die Benachteiligung von behinderten Menschen abgewendet werden (BGG §1, 2002). Wichtiger Inhalt des Gesetzes zur Schaffung von Barrierefreiheit ist nicht nur die Beseitigung baulicher Barrieren für Gehbehinderte, sondern auch die Zugänglichkeit der elektronischen Medien für blinde und sehbehinderte Menschen. Übergeordnetes Ziel soll dabei die selbständige Nutzung aller Lebensbereiche ohne fremde Hilfestellungen sein.

Auf der Grundlage des Beschlusses des BGG folgten die Landesgleichstellungsgesetze der einzelnen Bundesländer. Bis zum heutigen Zeitpunkt wurden in den meisten Bundesländern die Landesgleichstellungsgesetzte verabschiedet. In Brandenburg trat das Brandenburgische Behindertengleichstellungsgesetz am 25. März 2003 in Kraft.

Breite politische Unterstützung in Deutschland erhielt auch das Europäische Jahr der Menschen mit Behinderungen im Jahr 2003. In Brandenburg fanden zu diesem Anlass über 100 Veranstaltungen im kulturellen, touristischen und behindertenpolitischen Bereich statt, die zur Sensibilisierung der Bevölkerung für die Fähigkeiten behinderter Menschen beitragen sollten.

In Bezug auf behinderte Reisende trifft man in der Praxis auf Grund von "Barrieren in Köpfen", noch immer auf Kontaktvermeidung, Unwissenheit und Mutmaßungen, was die Wahrnehmung der touristischen Zielgruppe und damit die Einbindung in die Planung von Destinationen betrifft. Es sind massive Benachteiligungen dieser Zielgruppe im Bereich Freizeit und Tourismus leider immer noch vorhanden. Nicht nur die Unterkunft stellt ein Problemfeld dar sondern auch die Reisevorbereitung mit der dazugehörigen Informationsbeschaffung.

Die Erreichbarkeit des Urlaubsortes, die Mobilität vor Ort und Zugänglichkeit zu Freizeiteinrichtungen stellen den Reisenden vor teilweise unüberwindbare Hindernisse.

 

Zielgruppe

Wie bereits aus den vorangehenden Erläuterungen deutlich wird, spricht der barrierefreie Tourismus eine breite Zielgruppe an. Darum sollen im Tourismus Menschen mit den verschiedenartigsten Formen von Behinderungen, Nichtbehinderte, die durch vorübergehende Funktionsbeeinträchtigungen in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, Familien mit kleinen Kindern, im Endeffekt alle Menschen (wir werden alle einmal alt), profitieren.

Menschen mit Behinderungen werden schon seit einigen Jahren als potenzielle Zielgruppe wahrgenommen. Aus diesem Grund spezialisieren sich viele Reiseveranstalter auf die Klientel der behinderten Reisenden. Es existieren Reiseführer für Menschen mit Behinderung, sowie zahlreiche Ratgeber und Erfahrungsberichte von Urlaubern im Internet. Im Rahmen der wissenschaftlichen Literatur gibt es einige hilfreiche Untersuchungen und Studien, die sich mit den besonderen Bedürfnissen und Problemen dieser Zielgruppe auseinandersetzten und Handlungsempfehlungen für eine barrierefreie Angebotsgestaltung für touristische Leistungsträger geben.

Auch im Marktsegment des "Tourismus für Senioren", die bedingt durch ihr Alter auch gleichzeitig in der Zielgruppe der Behinderten vertreten sein können, findet sich der Markt für einen barrierefreien Tourismus wieder. Trotz der weit gefassten Zielgruppendefinition kann eine Abgrenzung für das Marktsegment der mobilitätseingeschränkten Menschen vorgenommen werden, die in erster Linie von den Maßnahmen der Gestaltung einer baulich barrierefreien Umwelt profitieren sollen.

Definitionen der Zielgruppen

Der Allgemeine Deutsche Automobilclub e.V. (ADAC) hat eine Ergänzung der Definition der Mobilitätsbehinderung des Bundesministeriums für Verkehr aus dem Jahr 1997 in seiner aktuellen Studie zum Tourismus für Alle vorgenommen (ADAC, 2003). Darin werden die Zielgruppen der mobilitätsbehinderten Personen im engeren und weiteren Sinne abgegrenzt.

 

Mobilitätsbehinderte Personen im engeren und weiteren Sinne


Im engeren SinneIm weiteren Sinne
Gehbehinderte Personen
Personen im Rollstuhl
Personen mit Kinderwagen
Werdende Mütter
Blinde und sehbehinderte Personen
Chronisch erkrankte Personen
Ältere Personen
Übergewichtige Personen
Geistig und lernbehinderte PersonenKleine Kinder
Greifbehinderte Personen
Personen mit Gleichgewichtsstörungen
Klein- und großwüchsige Personen
Analphabeten
Gehörlose, schwerhörige und ertaubte PersonenPersonen mit schwerem oder unhandlichem Gepäck
Personen mit Sprach- oder SprechstörungenPersonen mit postoperativen Beeinträchtigungen
Psychisch und seelisch behinderte PersonenPersonen mit vorübergehenden Unfallfolgen
Quelle: Eigene Darstellung, modifiziert nach ADAC, 2003, S.14


Barrierefreiheit im Interesse aller Menschen

Tortendiagramm Interesse an Barrierefreiheit

Das Prinzip der Barrierefreiheit wird häufig leider immer noch lediglich auf die Zielgruppe der behinderten Menschen bezogen. Dies ist unverständlich, zumal deutschland- und europaweit Berichte und Gutachten immer wieder herausstellen, dass die Herstellung von Barrierefreiheit im Interesse aller Menschen und nicht einer bestimmten Personengruppe mit besonderen Anforderungen erfolgt.

Nach Umfragen ist bekannt, dass eine barrierefrei zugängliche Umwelt für etwa 10% der Bevölkerung zwingend erforderlich ist und für etwa 30% bis 40% notwendig. Alle der Befragten also auch Nichtbehinderte oder Jüngere sind sich einig, dass eine barrierefreie Umwelt äußerst komfortabel ist.

Reiseverhalten

Diagramm Reiseverhalten

82% der mobilitäts- und aktivitätseingeschränkten Reisenden sehen ihren Urlaub als Gesundheits-/Erholungsurlaub an. Die Zahlen der Reiseanalyse zeigen, dass mobilitätseingeschränkte Personen ihre Haupturlaubsreise ebenfalls zum Großteil als Ausruh-Urlaub (45,9%) sowie Strand-/Bade-/Sonnenurlaub (45,8%) unternehmen.

 

 

 

Reisezieltreue mobilitätseingeschränkter Urlauber

Diagramm Reisezieltreue

Die Reisezieltreue mobilitätseingeschränkter Urlauber liegt bei 26%; über 70% bevorzugen unterschiedliche Urlaubsorte sowohl im Urlaub als auch im Kurzurlaub.

Bezogen auf die Länder Brandenburg und Berlin mit insgesamt 517.000 Schwerbehinderten (Statistisches Bundesamt, 2003), kann eine potenzielle Zielgruppe von 280.773 Reisenden berechnet werden, die für das Reiseland Brandenburg auf Grund der räumlichen Nähe und Erreichbarkeit als Quellmarkt interessant sind.

Diese Marktdaten erhöhen sich erheblich, wenn die weiteren Zielgruppen, wie Senioren, Familien oder vorübergehend mobilitätseingeschränkte Menschen hinzugezählt werden. Weiterhin bestehen Potenziale in den Bereichen des Geschäftsreisetourismus und Tagestourismus, bei Verwandten- und Bekanntenübernachtungen, der Hinzurechnung der Begleitpersonen und der ausländischen Touristen.

Reiseverhalten mobilitätseingeschränkter Personen

Diagramm Reiseverhalten mobilitätseingeschränkter Personen

Reiseverhalten der Befragten laut einer Umfrage des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie

  • deutlich geringe Reiseintensität im Vergleich zur Gesamtbevölkerung
  • überwiegend Individualreisen
  • Erholung und Gesundheit sind wichtige Reisemotive
  • Reisen erfolgen weitgehend saisonunabhängig
  • verhältnismäßig hohe Reiseausgaben
  • hoher Anteil an Deutschlandreisen
  • Kurzurlaube sind meist Städtereisen

Besonders die 37% der mobilitätseingeschränkten Menschen, die sich in den Bereichen An- und Abreise, Ausflüge, kulturelle Aktivitäten sowie Fortbewegung beeinträchtigt fühlen, haben schon einmal auf eine Reise verzichtet, weil es keine barrierefreien oder behindertengerechten Angebote, Einrichtungen oder Dienstleistungen gab.

 

Qualifizierungsoffensive

Das Land Brandenburg hat bereits eine Qualifizierungsoffensive für einen barrierefreien Tourismus in der Region gestartet. Ziel der Kampagne ist es, kleine und mittelständische Tourismusunternehmen in Brandenburg für die Interessen und Bedürfnisse behinderter Menschen zu interessieren und zu sensibilisieren.

Besonders zu erwähnen sei hier jedoch, dass die Angebote an barrierefreien Gaststätten und Übernachtungsmöglichkeiten nicht alleine stehen dürfen. Wer ein barrierefreies Angebot plant, muss die gesamte Tourismuskette von Information und Buchung, über An- und Abreise, bis zu Freizeit-, Sport- und Kulturangeboten im Blick haben.

Mit einer Abschlussveranstaltung, wurde in Potsdam die Qualifizierungsoffensive Innopunkt 6 "Barrierefreier Tourismus für Alle im Land Brandenburg" erfolgreich abgeschlossen. 40 touristische Leistungsträger und Partner aus den Modellregionen Ruppiner Land, Barnimer Land / Uckermark, Potsdam / Havelland, Fläming und Südbrandenburg wurden in den vergangenen zwei Jahren für das immer mehr an Bedeutung gewinnende Marktsegment barrierefreier Tourismus qualifiziert und beraten. Neben vielen Einzelergebnissen konnte dabei darauf verwiesen werden, dass es mit dieser Qualifizierungsoffensive gelungen ist, die Zusammenarbeit in den Regionen für mehr barrierefreie Angebote zu stärken. Die weitere Vernetzung von Angeboten wurde als Kernpunkt der Arbeit auf diesem Gebiet herausgestellt.

Auf Einladung der Tourismusakademie Brandenburg und des Landestourismusverbandes Brandenburg e.V. trafen sich am 11.10.2007 Vertreter der Reisegebiete Brandenburgs und Vertreter der verschiedenen Behindertenverbände des Landes, um bei einem ersten Arbeitstreffen über die Notwendigkeit einer Datenbank mit barrierefreien Tourismusangeboten für das Reiseland Brandenburg zu beraten.

Datenbanken als Informationsquelle im barrierefreien Tourismus existieren bereits jedoch waren die Angaben in der Datenbank bisher in erster Linie auf die Bedürfnisse von Rollstuhlfahrern zugeschnitten. In Zukunft sollen in besonderer Weise auch die Belange Hörgeschädigter, sehbehinderter und lerneingeschränkter Menschen Berücksichtigung finden. Ebenso werden die Informationen Senioren, Eltern mit Kinderwagen oder Touristen mit Gepäck als hilfreiche Orientierung dienen.

Ziel einer solchen Datenbank ist es, ein Informationssystem zu schaffen, das den verschiedenen Nutzergruppen die Möglichkeit einer Vernetzung mit Dienstleistungsanbietern wie dem öffentlichen Nahverkehr, Tourismus-Unternehmen, Gastronomen und Einrichtungen aus Kunst, Kultur und Sport bietet.

Wie eingangs bereits erwähnt, ist für alle Bevölkerungsgruppen Barrierefreiheit komfortabel. Für Berlin und Brandenburg ist Barrierfreiheit auch ein Ausdruck von Modernität, Weltoffenheit und Gastfreundschaft und stellt im Vergleich mit anderen Destinationen einen wertvollen Imagegewinn dar.

 

Beispiele

Burg im Spreewald und Brandenburg an der Havel

"Unternehmen touristischer Regionen können schon mittels relativ geringen Aufwands vom barrierefreien Tourismus profitieren."

Nach all den Begriffsbestimmungen und der Erörterung der gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen gilt als weitere Voraussetzung für die Gestaltung eines barrierefreien Tourismus die Kenntnis der gegenwärtigen Marktsituation.

 

Die Natur-Erlebnis-Uhr

Foto Garten
Bildquelle: Arznei- u. Gewürzpflanzengarten Burg e. V.
Foto Gewürzbeet
Bildquelle: Arznei- und Gewürzpflanzengarten Burg e. V.

In der Natur-Erlebnis-Uhr auf dem Freigelände des Schlosshofes, dem Informationszentrum Burg im Spreewald, verzichtet der Besucher erst einmal auf das Sehen, um dann aber in den jeweils einem Sinn zugeordneten Viertel der Uhr um so intensiver Natur zu schmecken und zu riechen, zu tasten und zu hören.

Zusätzlich kann der Besucher hier auch den Gleichgewichtssinn testen. Die Pflanzen und Naturmaterialien zum Kosten, Fühlen und Riechen in den Hochbeeten und Holzvitrinen haben laut Betreiber, schon so manchen Besucher überrascht. Entwickelt wurde die durchgehend barrierefreie und damit auch für Rollstuhlfahrer zugängliche Uhr zunächst für Blinde und Sehbehinderte, um ihnen zu ermöglichen, auf ihre Weise die Natur zu erleben.

Mittlerweile hat sich diese Natur-Erlebnis-Uhr als ein attraktives Angebot für jedermann bewährt.
Zu Führungen kann man sich von Anfang Mai bis September beim Infozentrum Schlossberghof Burg und Natur-Erlebnis-Uhr anmelden.

 

Das Projekt Erlebnisort "Slawendorf Brandenburg an der Havel

Foto: Erlebnisdorf (Leute kochend)
Bildquelle: Slawendorf Brandenburg an der Havel
Foto: Erlebnisdorf (Leute mit Einbäumen)
Bildquelle: Slawendorf Brandenburg an der Havel

Dieser Erlebnisort stellt die Nachbildung einer slawischen Siedlung mit einer kleinen Wallburg aus der Zeit des 11. Jahrhunderts dar. Die Gäste erhalten die Möglichkeit, neben der Besichtigung von Ausschnitten aus der Geschichte, die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Slawen vor etwa 1.000 Jahren selbst aktiv im Rahmen von verschiedenen Projekten nachzuempfinden und kennen zu lernen.
 
Das Slawendorf Brandenburg an der Havel entstand auf einer mehr als 11.000 Quadratmeter großen Fläche im Zentrum der Stadt und besteht aus mehreren Bereichen wie Wohnhütten, einem Bootshaus, einer Schmiede, zwei Backhäusern, Brunnen und einem Holzlagerhaus.
Großer Wert wurde bei der Planung des Slawendorfes von Beginn an auf die barrierefreie Nutzung des gesamten Geländes gelegt, denn fast alle Hütten sind schwellenlos zugänglich.

Tastmodelle verschiedener Hütten ermöglichen blinden und sehbehinderten Gästen detaillierte Eindrücke, die die Lebensumstände der Slawen in dieser Zeit "begreifbar" werden lassen.

Resümee

Foto Blindenhund am Ampelschalter
Blindenhund am Ampelschalter (Bildquelle: Volker Schwarz)

Barrierefreiheit rund um die touristische Servicekette ist also weit mehr als ein Spezialangebot für Reisende mit Behinderungen. Barrierefreier Tourismus für Alle ist ein Qualitätsmerkmal, das allen Reisenden, Behinderten wie Nicht-Behinderten, älteren Menschen oder Familien mit Kindern zu Gute kommt und in Zeiten des demographischen Wandels neue, ökonomisch attraktive Zielgruppen erschließt.

So besteht in der Umsetzung eines barrierefreien Tourismus "für Alle" die Ansprache eines bisher noch nicht ausgeschöpften Kundenpotenzials, das durch geeignete Angebotsgestaltung und gezielte Marketingmaßnahmen angesprochen werden kann.

 

 

Text: Volker Schwarz (Mobidat Routing)

 

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